Bonner Rundschau : Ahle Wurscht schmeckte ausgezeichnet

    01.11.2006 00:00

    Bonner Rundschau
     

    Metzger-Premiere: Deutsche Wildwurstqualitätsprüfung

    Die Herren und Damen ließen sich ein gutes Stück nach dem anderen auf der Zunge zergehen, gaben leicht schmatzend wohllaute von sich und loben Duft, Würze und Geschmack. Hätte man mit verbundenen Augen dabei gestanden, dann hätte man sich in einer Runde von Gourmets gewähnt, die Leckeres in einem neuen Speisetempel gustieren. Doch dazu passte das Ambiente überhaupt nicht.

    Die Runde saß nämlich in den nüchtern wirkenden Räumen des Berufskollegs Hennef. Einige hatten weiße Kittel an wie Wissenschaftler in einem Labor. So sollte es auch sein. Schließlich wurden strenge Kriterien angelegt. In Hennef fand eine Wurstprüfung statt. Und was für eine. Die \"erste deutsche Wildwurstqualitätsprüfung\". Zwar gibt es jede Menge Wurst- und Lebensmittelprüfungen, die mit Gold-, Silber- und Bronzemedaillen für ausgezeichnete Produkte enden. Aber bisher gab es in ganz Deutschland noch keine Wildwurstqualitätsprüfung.

    Alle Metzger werden davon erfahren. In Hennef war nämlich auch ein Journalist der Allgemeinen Fleischerzeitung, ORgan des deutschen Fleischerverbandes, Sitz Frankfurt.

    Stolz war Metzger Adalbert Wolf aus Wachtberg als Obermeister der Fleischer-Innung Bonn/Rhein-Sieg. Denn sie war die Veranstalterin dieser Premiere. Auf den Tisch kamen so herzhafte Erzeugnisse wie Frischlingssalami, Bierschinken mit Pistazien, Wildsülze mit Pfifferlingen, Tiroler Jagdwurst, Wildschweinschinken mit Rosmarin, Leberwurst mit Preiselbeeren, Hirschkalbschinken oder Rehmettwurst im Ring. Insgesamt wurden zur Prüfung 103 solcher Produkte des deuschten Fleischerhandwerks, hauptsächlich aus Bayern, Thüringen und NRW eingereicht und vor den Prüfern ausgebreitet.

    Dann gings los mit Anschauen, Riechen, Schmecken. Und das in einer Tour. Zwar lag auch Weißbrot auf dem Tischen, aber da kam die Wurst nicht drauf. Das trockene Brot diene zwischendurch zum neutralisieren des Geschmacks, hieß es. Man könne auch einen Schnaps nehmen, sagte ein Juror dazwischen. Das Fett aus der Wurst setze sich nämlich auf der Zunge ab und belege die Geschmacksknospen, so dass man nicht mehr so gut schmecken könne. Also muss das Fett runter von den Knospen, in Hennef geschah das mit Brot. Geprüft wurde in den Sparten Rohwurst, Brühwurst, Kochwurst und Kochpökelware.

    Insgesamt gab es unter anderem auch mit Geschäftsführer Gerd Jung von der Kreisjägerschaft Bonn und Kreisveterinärrat Dr. Klaus Mann fünf Prüfungsteams. Jeweils mit drei Personen: einem Metzger, einem Jäger und einem Verbraucher. Letztere wurden wahllos in Metzgereien angesprochen und gefragt, ob sie mitmachen wollten.

    Außer Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gab es für den Gesamtsieger den neu geschaffenen Clemens-August Pokal der Fleischer-Innung Bonn/Rhein-Sieg, der an die Landfleischerei Carsten Neumeier in Hessen ging für eine \"Walburger Wildschwein Ahle Wurscht\".

    Mit der neuen Prüfung will die Innung auch den regionalen Vermarktungsgedanken fördern im engen Kontakt von Jäger und Metzger vor Ort. Übrigens gab es nicht nur Wurst, Brot und Wasser. Ein Tisch stand voller Kuchen und Kaffee. Ein Prüfer erklärte, bei soviel Herzhaftem verlange der Körper irgendwann nach Süßem. Deshalb gebe es ja auch bei einem Menü immer das Dessert.


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